Dies ist der Blog zu meinem Auslandsjahr in den USA. Von September 2014 bis Mai 2015 lebe ich in "The Gunnery", einem Internat in Connecticut. Ich habe mir vorgenommen euch hier, mehr oder weniger regelmäßig, von meinem Leben in den USA zu berichten.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Revue der vergangenen zwei Monate

Zur Zeit habe ich ein "Head´s Weekend", ein langes Wochenende, an dem alle Schüler den Campus verlassen müssen. Ich bin wieder bei meiner Tante in New Jersey, bei der ich auch schon meine ersten Tage in den USA verbracht habe. Nachdem ich ja nun schon fast zwei Monate in The Gunnery lebe, kann ich mit mit ein wenig Abstand auf diese Zeit zurückblicken.

Erst einmal kann ich gleich vorweg sagen, dass ich hier gerade eine tolle, einzigartige Zeit habe. Ich fühle mich in The Gunnery sehr, sehr wohl und bin unendlich glücklich, dass ich mich für diese Schule entschieden habe.
Die kleine Schulgemeinschaft von nur etwas mehr als 300 Schülern führt dazu jeder auf dem Campus jeden kennt, inzwischen kenne ich sogar die Namen der Mitarbeiter, die uns das Essen ausgeben, und sie grüßen mich auch mit Namen zurück. Während wir uns zu Anfang immer fest zu den Mahlzeiten verabredet haben, aus Angst keinen Tisch mit Freunden vorzufinden, ist das inzwischen nicht mehr nötig. Man kennt einfach so viele Leute so gut, dass man, wann immer man in die Dining Hall kommt, mindestens einen, meistens sehr viel mehr, Tische mit Freunden findet. Das gleiche gilt für das Student Center, die Common Rooms usw. Wenn man mal alleine ist, was selten vorkommt, findet man dort immer Freunde. Sich einsam zu fühlen ist fast unmöglich.
Dadurch, dass in vielen Fächern Schüler unterschiedlicher Jahrgänge sind, und auch Sport jahrgangsübergreifend ist, hat man Freunde in allen Jahrgangsstufen. Ich habe zum Beispiel viele Freunde, die in der 11. Klasse sind, aber auch einige aus der neunten Klasse. Viele haben auch eine Klasse wiederholt, als sie auf The Gunnery gekommen sind, was auch dazu führt, dass man wirklich nicht nur mit seinem eigenen Jahrgang zu tun hat.
Unser Schulfoto mit allen Schülern und Lehrern
Rudern macht mit nach wie vor sehr viel Spaß. Es kostet manchmal Überwindung sich direkt nach der Schule hektisch um zu ziehen und zum Bus zu laufen, der uns zum See bringt. Aber sobald ich auf dem Wasser bin, bereue ich das nicht mehr. Rudern ist ein guter Kontrast zum Unterricht und lernen, und macht vor allem auch deshalb Spaß, weil ich viele Freunde in meinem Ruderteam gefunden habe
 Inzwischen wird es hier leider immer kälter und regnerischer. Solange es aber nicht stürmt oder gewittert gehen wir immer raus auf das Wasser. Natürlich ist das Training dadurch im Moment härter, auch weil der Wind das Rudern sehr viel schwieriger macht. Dennoch macht das Training immer noch Spaß!
Inzwischen haben wir uns in zwei Vier-Mann-Boote aufgeteilt, was mir sehr viel besser gefällt als der Achter! Uns stehen nur noch ein oder zwei Regatten bevor, trainieren werden wir trotzdem noch bis Ende November.

Auch mit der Jazz Band habe ich sehr viel Spaß. Die anderen Bandmitglieder sind wirklich unglaublich gute Musiker und die Stücke die wir spielen sind auch super. Wir gehen manchmal, wenn Jazz Band gleich unser erstes Fach ist, in ein Café in der Nähe und Frühstücken dort gemeinsam.
Auch die Lehrer sind, bis auf sehr wenige Ausnahmen, sehr nett. Es ist auffallend, dass wir viele sehr junge Lehrer haben. Ich schätze, dass über die Hälfte der Lehrer zwischen 23 und 40 Jahre alt sind!
Wir haben auch viele Lehrer, die mit ihrer Familie auf dem Campus leben. Alleine in meinem Dorm leben zwei Familien mit insgesamt 4 Kinder, die zwischen 8 Monate und 6 Jahre alt sind. Auch Hunde und Katzen sieht man, dank der vielen Lehrer, die auf dem Campus leben, viele.
 
Ich habe mich inzwischen an den Alltag im Internat gewöhnt. Ich finde ihn nicht mehr ganz so stressig. Und, obwohl ich dieses Wochenende ohne irgendwelchem Programm sehr genossen habe, freue ich mich jetzt doch sehr darauf, gleich wieder zu The Gunnery zu fahren und ab morgen den Alltag dort wieder zu haben.


Freitag, 17. Oktober 2014

Unterricht

Klassen
Das ganze Klassensystem ist in den USA anders als in Deutschland. Man bleibt nicht für jedes Fach mit den gleichen Leuten im gleichen Klassenzimmer, sondern wechselt für jedes Fach in den Klassenraum des Lehrers! Außerdem gibt es keine festen Klassen, in jedem Fach ist die Klasse neu zusammen gesetzt. Das führt dazu, dass man zu sehr viel mehr Schülern während der Schulzeit kontakt hat.

SmartBoards
Die Klassen hier an The Gunnery sind ziemlich klein, in meinen Klassen sind wir immer nur 10 bis 15 Schüler! Das führt dazu, dass es sofort auffällt, wenn sich jemand nicht am Unterricht beteiligt!
In allen Klassenräumen gibt es SmartBoards, die von den Lehrern ganz unterschiedlich genutzt werden: Während meine Geschichtslehrerin ihren Unterricht oft mit einer PowerPoint Präsentation leitet oder kurze Dokumentationen zu einem bestimmten Thema zeigt, nutzen wir das SmartBoard in Physik über eine angeschlossene Kamera wie ein Overhead Projektor. In Spanisch schreibt meine Lehrerin alles Wichtige handschriftliche auf ein Dokument, anstatt an die Tafel, und postet es später auf Haiku. In Mathe können wir einen unserer Tahenrechner, die auch Graphen anzeigen können, an das SmartBoard anschließen, um unsere Ergebnisse zu vergleichen.

Tests und Noten
Die Noten, die wir für Hausaufgaben, Tests oder Arbeiten gekriegt haben, werden von den Lehrern auch auf Haiku gepostet, so dass man recht gut einschätzen kann, wie man gerade so dasteht. Ich musste leider feststellen, dass man hier sehr viel mehr Tests schreibt als in Deutschland. In Mathe und Spanisch habe ich jede Woche einen Test, in Englisch oft sogar zwei! Benotet wird in den USA normalerweise mit Buchstaben, an dieser Schule bekommen wir allerdings Gunnery Grades, die von 1 bis 8 gehen, wobei 8 die beste Note ist. Da jede Note nur einem Raum von 5 Prozent der Gesamtpunktzahl entspricht (eine 8 gibt es bei 95-100%, eine 7 bei 90-95% usw.) bekommt man schon bei weniger als 60% der Gesamtpunktzahl eine 0, und eine 8 ist sehr viel mehr Wert als eine 1 in Deutschland!

Nachhilfe
Viele Lehrer bieten einem Nachhilfe an. So kann man sich bspw. für eine Hälfte der Study Hall (die Zeit in der wir Hausaufgaben machen müssen) oder eine Freistunde mit dem Lehrer verabreden. Gerade in Mathe oder Naturwissenschaften, aber auch in Englisch wird das viel genutzt! Da man allerdings Nachhilfe nur von dem Lehrer bekommen kann, der einem in dem entsprechenden Fach unterrichtet, ist es besonders wichtig einen guten Draht zu den Lehrern zu behalten, denn ansonsten ist Nachhilfe nehmen keine angenehme Option! Wenn man einfach nur eine Frage zu einer Hausaufgabe hat oder beim Lernen für einen Test etwas nicht versteht, kann man seinem Lehrer auch einfach per Email etwas fragen oder ihn, wenn man ihn irgendwo auf dem Campus sieht, einfach ansprechen.

Freitag, 10. Oktober 2014

Meinungen über Deutschland

Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Meinungen über Deutschland unter den Amerikanern und anderen Ausländern hier ist. Überraschend häufig haben mir Amerikaner erzählt, dass ein Teil ihrer Familie aus Deutschland stammt. Wie sich aber dann oft herausstellt handelt es sich dabei um jemanden, der schon vor langer Zeit nach Amerika ausgewandert ist. Viele haben mir zum Weltmeistertitel gratuliert - deutscher Fußball ist unter denen, die etwas von Fußball halten, hoch angesehen. Allerdings wird Fußball insbesondere von Footballspielern etwas verachtet... Ansonsten ist Deutschland hauptsächlich für frühes "drinking-age" und, klassischer Weise, das Oktoberfest und Autos bekannt.
Besonders hat überrascht mich, wie populär Deutschland in Asien zu sein scheint. In den ersten Tagen habe ich von Chinesen oder Koreanern mehrfach Sätze gehört wie "I can`t believe I`m talking to a real German!". Viele kennen die Deutsche Nationalmannschaft besser als ich und träumen davon einmal nach Deutschland zu kommen. Am "World-Cup Day", an dem man sein Heimatland präsentieren sollte, haben wirklich viele Chinesen ein Deutschland Trikot,  T-Shirt, Pullover etc. getragen - ohne dass sie überhaupt jemals in Deutschland waren. Ich habe bis jetzt noch nicht wirklich verstanden, warum Deutschland in Asien dermaßen populär ist. Das dort Europa im Allgemeinen populär ist wusste ich, dass aber Deutschland populärer ist als andere Länder war mir neu.
Das Vorurteil, Amerikaner hätten von Europa und seinen Ländern zumindest geographisch keine Ahnung, kann ich, von den meisten hier, nicht bestätigen. Es gibt natürlich einige, die sich mehr für Europa interessieren, vielleicht auch schon einmal da waren, und andere (Beispiele folgen), die sich weniger für Europa interessieren und dem entsprechen auch weniger über die Länder dort wissen. Ich wurde einmal gefragt ob Dänemark teil von Deutschland wäre, allerdings war das bis jetzt einmalig. Ein bisschen mehr geschockt war ich von der total ernst gemeinten Frage, ob wir in der Schule lernen würden, dass Hitler gut war. Ich hatte durchaus erwartet das ich aufgrund der Weltkriege und des Holocausts als Deutscher auf Abneigung stoßen könnte, was mir bis jetzt allerdings zum Glück noch nicht passiert ist. Aber eine solche Frage, die keineswegs ein Scherz oder böse gemeint war, hatte ich nicht erwartet.

Montag, 6. Oktober 2014

Football

Der wichtigste Sport im Herbst ist hier definitiv Football. Natürlich wird bei allen Spielen von denen, die Zeit haben, angefeuert, aber die Footballspiele sind am besten besucht. Das Footballtraining muss auch unglaublich hart sein. Regelmäßig werden im Weight Room Gewicht gestemmt und exakt abgemessene Protein-Cocktails getrunken.
Nun war am Samstag das erste Abendspiel von unserem Footballteam hier auf unserem Feld. Da es erst um 7 los ging hatten fast alle Zeit, das Team anzufeuern. Für mich war es das erste Footballspiel, bei dem ich zugucken konnte, da ich sonst immer Rudertraining hatte. Da das vielen so ging, wurde aus diesem Footballspiel ein großes Schulevent gemacht. Es wurden T-Shirts verkauft, rote Farbe in die Gesichter geschmiert, Gunnery-Tattoos verteilt und noch vieles mehr, so dass wir gut vorbereitet in unser Footballteam anfeuern konnten.



 

 
 
Am Ende des Spiels hatte ich zumindest die grundlegenden Regeln verstanden. Leider waren die Gegner sehr gut, so dass wir 27:54 verloren haben. Es war trotzdem ein toller Abend!