Dies ist der Blog zu meinem Auslandsjahr in den USA. Von September 2014 bis Mai 2015 lebe ich in "The Gunnery", einem Internat in Connecticut. Ich habe mir vorgenommen euch hier, mehr oder weniger regelmäßig, von meinem Leben in den USA zu berichten.

Montag, 17. November 2014

Ende der Ruder-Saison

Nun habe ich nur noch fünf Tage vor mir, dann beginnen die Thanksgiving Ferien und der Fall Term, das erste Trimester, endet. Ab Dienstag haben wir keinen normalen Unterricht mehr, sondern Examen. Ich schreibe Examen in insgesamt fünf Fächern, habe somit teilweise zwei Examen an einem Tag. Allerdings mache ich mir deutlich weniger Stress deswegen, als die Amerikaner. Viele haben das ganze Wochenende über gelernt, ich bis jetzt noch gar nicht - mal sehen wie das endet...

Die Fall Sports habe allerdings schon letztes Wochenende geendet. Inzwischen trainieren wir schon unsere Sportarten für den Winter - ich spiele Basketball. Unsere letzte Ruderwoche war etwas anders als die vorherigen. Ein Grund dafür war, dass wir an dem Wochenende davor Zeitumstellung hatten - etwas später als in Europa. Das hat dazu geführt, dass es oft schon dunkel war, wenn wir aus dem Wasser zurück kamen. Die folgenden Fotos stammen nicht von mir, da ich während des Sonnenuntergangs meistens noch auf dem Wasser war, und weder Zeit noch Handy hatte, um Fotos zu machen!






Da mein Vierer-Boot unsere Trainer in der vorletzten Woche überzeugen konnten, wurde spontan entschieden, uns zu einer Regatta in der Nähe von Philadelphia mitzunehmen! Diese war an dem letzten Wochenende der Rudersaison und war ursprünglich für uns Jungs nur für die ersten beiden Boote gedacht. Die Regatta unterschied sich von allen anderen zuvor, da es ein Sprintrennen war. Anders als die Distanzen zuvor, die immer zwischen 4 und 6km lagen, waren es diesmal nur 1,5km. Ein weiterer Unterschied war, dass, wie bei Sprintrennen üblich, immer mehrere Boote gleichzeitig, in diesem fall sechs, in ihrer jeweiligen Bahn gerudert sind, und nicht jedes Boot einzeln mit individueller Zeit gestartet ist. Uns hat das sehr viel mehr Spaß gemacht, da man so während des Rennens immer wusste, auf welcher Position man sich gerade befindet, und auch auf Zwischensprints anderer Boote reagieren konnte. Wir sind schon am Samstag in die Nähe des Sees gefahren, haben dort in einem Motel übernachtet und sind dann am nächsten Tag gerudert. Wie zuvor bin ich mit meinem Boot in einem Novice Event gerudert. In solchen Events rudern nur High School Schüler, die erst seit maximal einem Jahr in einem High School Team rudern. Das  harte Training in der Woche zuvor, bei der wir oft mit den ersten beiden Booten trainiert hatten und bei eisigen Temperaturen mit dem Boot in das Wasser laufen mussten, da der Steg bereits abgebaut worden war, hat sich ausgezahlt. Wir haben in unserem eigenen Rennen ziemlich deutlich, und auch verglichen mit den anderen Novice Rennen, gewonnen. Ein toller Abschluss der Saison! Außer uns haben sich übrigens noch zwei der vier mitgereisten Mädchen Boote auf dem Podest platziert!

Dieses Foto wurde in unserer vorletzten Trainingswoche aufgenommen.
Wir während unserer Regatta in Philadelphia!

Ganz links ist Markus, unser Coxswain, der nicht rudert sondern das Boot steuert und uns über Mikrofon und Lautsprecher Anweisungen gibt. Ganz rechts ist unser Boys Novice Coach.


Dienstag, 28. Oktober 2014

Revue der vergangenen zwei Monate

Zur Zeit habe ich ein "Head´s Weekend", ein langes Wochenende, an dem alle Schüler den Campus verlassen müssen. Ich bin wieder bei meiner Tante in New Jersey, bei der ich auch schon meine ersten Tage in den USA verbracht habe. Nachdem ich ja nun schon fast zwei Monate in The Gunnery lebe, kann ich mit mit ein wenig Abstand auf diese Zeit zurückblicken.

Erst einmal kann ich gleich vorweg sagen, dass ich hier gerade eine tolle, einzigartige Zeit habe. Ich fühle mich in The Gunnery sehr, sehr wohl und bin unendlich glücklich, dass ich mich für diese Schule entschieden habe.
Die kleine Schulgemeinschaft von nur etwas mehr als 300 Schülern führt dazu jeder auf dem Campus jeden kennt, inzwischen kenne ich sogar die Namen der Mitarbeiter, die uns das Essen ausgeben, und sie grüßen mich auch mit Namen zurück. Während wir uns zu Anfang immer fest zu den Mahlzeiten verabredet haben, aus Angst keinen Tisch mit Freunden vorzufinden, ist das inzwischen nicht mehr nötig. Man kennt einfach so viele Leute so gut, dass man, wann immer man in die Dining Hall kommt, mindestens einen, meistens sehr viel mehr, Tische mit Freunden findet. Das gleiche gilt für das Student Center, die Common Rooms usw. Wenn man mal alleine ist, was selten vorkommt, findet man dort immer Freunde. Sich einsam zu fühlen ist fast unmöglich.
Dadurch, dass in vielen Fächern Schüler unterschiedlicher Jahrgänge sind, und auch Sport jahrgangsübergreifend ist, hat man Freunde in allen Jahrgangsstufen. Ich habe zum Beispiel viele Freunde, die in der 11. Klasse sind, aber auch einige aus der neunten Klasse. Viele haben auch eine Klasse wiederholt, als sie auf The Gunnery gekommen sind, was auch dazu führt, dass man wirklich nicht nur mit seinem eigenen Jahrgang zu tun hat.
Unser Schulfoto mit allen Schülern und Lehrern
Rudern macht mit nach wie vor sehr viel Spaß. Es kostet manchmal Überwindung sich direkt nach der Schule hektisch um zu ziehen und zum Bus zu laufen, der uns zum See bringt. Aber sobald ich auf dem Wasser bin, bereue ich das nicht mehr. Rudern ist ein guter Kontrast zum Unterricht und lernen, und macht vor allem auch deshalb Spaß, weil ich viele Freunde in meinem Ruderteam gefunden habe
 Inzwischen wird es hier leider immer kälter und regnerischer. Solange es aber nicht stürmt oder gewittert gehen wir immer raus auf das Wasser. Natürlich ist das Training dadurch im Moment härter, auch weil der Wind das Rudern sehr viel schwieriger macht. Dennoch macht das Training immer noch Spaß!
Inzwischen haben wir uns in zwei Vier-Mann-Boote aufgeteilt, was mir sehr viel besser gefällt als der Achter! Uns stehen nur noch ein oder zwei Regatten bevor, trainieren werden wir trotzdem noch bis Ende November.

Auch mit der Jazz Band habe ich sehr viel Spaß. Die anderen Bandmitglieder sind wirklich unglaublich gute Musiker und die Stücke die wir spielen sind auch super. Wir gehen manchmal, wenn Jazz Band gleich unser erstes Fach ist, in ein Café in der Nähe und Frühstücken dort gemeinsam.
Auch die Lehrer sind, bis auf sehr wenige Ausnahmen, sehr nett. Es ist auffallend, dass wir viele sehr junge Lehrer haben. Ich schätze, dass über die Hälfte der Lehrer zwischen 23 und 40 Jahre alt sind!
Wir haben auch viele Lehrer, die mit ihrer Familie auf dem Campus leben. Alleine in meinem Dorm leben zwei Familien mit insgesamt 4 Kinder, die zwischen 8 Monate und 6 Jahre alt sind. Auch Hunde und Katzen sieht man, dank der vielen Lehrer, die auf dem Campus leben, viele.
 
Ich habe mich inzwischen an den Alltag im Internat gewöhnt. Ich finde ihn nicht mehr ganz so stressig. Und, obwohl ich dieses Wochenende ohne irgendwelchem Programm sehr genossen habe, freue ich mich jetzt doch sehr darauf, gleich wieder zu The Gunnery zu fahren und ab morgen den Alltag dort wieder zu haben.


Freitag, 17. Oktober 2014

Unterricht

Klassen
Das ganze Klassensystem ist in den USA anders als in Deutschland. Man bleibt nicht für jedes Fach mit den gleichen Leuten im gleichen Klassenzimmer, sondern wechselt für jedes Fach in den Klassenraum des Lehrers! Außerdem gibt es keine festen Klassen, in jedem Fach ist die Klasse neu zusammen gesetzt. Das führt dazu, dass man zu sehr viel mehr Schülern während der Schulzeit kontakt hat.

SmartBoards
Die Klassen hier an The Gunnery sind ziemlich klein, in meinen Klassen sind wir immer nur 10 bis 15 Schüler! Das führt dazu, dass es sofort auffällt, wenn sich jemand nicht am Unterricht beteiligt!
In allen Klassenräumen gibt es SmartBoards, die von den Lehrern ganz unterschiedlich genutzt werden: Während meine Geschichtslehrerin ihren Unterricht oft mit einer PowerPoint Präsentation leitet oder kurze Dokumentationen zu einem bestimmten Thema zeigt, nutzen wir das SmartBoard in Physik über eine angeschlossene Kamera wie ein Overhead Projektor. In Spanisch schreibt meine Lehrerin alles Wichtige handschriftliche auf ein Dokument, anstatt an die Tafel, und postet es später auf Haiku. In Mathe können wir einen unserer Tahenrechner, die auch Graphen anzeigen können, an das SmartBoard anschließen, um unsere Ergebnisse zu vergleichen.

Tests und Noten
Die Noten, die wir für Hausaufgaben, Tests oder Arbeiten gekriegt haben, werden von den Lehrern auch auf Haiku gepostet, so dass man recht gut einschätzen kann, wie man gerade so dasteht. Ich musste leider feststellen, dass man hier sehr viel mehr Tests schreibt als in Deutschland. In Mathe und Spanisch habe ich jede Woche einen Test, in Englisch oft sogar zwei! Benotet wird in den USA normalerweise mit Buchstaben, an dieser Schule bekommen wir allerdings Gunnery Grades, die von 1 bis 8 gehen, wobei 8 die beste Note ist. Da jede Note nur einem Raum von 5 Prozent der Gesamtpunktzahl entspricht (eine 8 gibt es bei 95-100%, eine 7 bei 90-95% usw.) bekommt man schon bei weniger als 60% der Gesamtpunktzahl eine 0, und eine 8 ist sehr viel mehr Wert als eine 1 in Deutschland!

Nachhilfe
Viele Lehrer bieten einem Nachhilfe an. So kann man sich bspw. für eine Hälfte der Study Hall (die Zeit in der wir Hausaufgaben machen müssen) oder eine Freistunde mit dem Lehrer verabreden. Gerade in Mathe oder Naturwissenschaften, aber auch in Englisch wird das viel genutzt! Da man allerdings Nachhilfe nur von dem Lehrer bekommen kann, der einem in dem entsprechenden Fach unterrichtet, ist es besonders wichtig einen guten Draht zu den Lehrern zu behalten, denn ansonsten ist Nachhilfe nehmen keine angenehme Option! Wenn man einfach nur eine Frage zu einer Hausaufgabe hat oder beim Lernen für einen Test etwas nicht versteht, kann man seinem Lehrer auch einfach per Email etwas fragen oder ihn, wenn man ihn irgendwo auf dem Campus sieht, einfach ansprechen.

Freitag, 10. Oktober 2014

Meinungen über Deutschland

Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Meinungen über Deutschland unter den Amerikanern und anderen Ausländern hier ist. Überraschend häufig haben mir Amerikaner erzählt, dass ein Teil ihrer Familie aus Deutschland stammt. Wie sich aber dann oft herausstellt handelt es sich dabei um jemanden, der schon vor langer Zeit nach Amerika ausgewandert ist. Viele haben mir zum Weltmeistertitel gratuliert - deutscher Fußball ist unter denen, die etwas von Fußball halten, hoch angesehen. Allerdings wird Fußball insbesondere von Footballspielern etwas verachtet... Ansonsten ist Deutschland hauptsächlich für frühes "drinking-age" und, klassischer Weise, das Oktoberfest und Autos bekannt.
Besonders hat überrascht mich, wie populär Deutschland in Asien zu sein scheint. In den ersten Tagen habe ich von Chinesen oder Koreanern mehrfach Sätze gehört wie "I can`t believe I`m talking to a real German!". Viele kennen die Deutsche Nationalmannschaft besser als ich und träumen davon einmal nach Deutschland zu kommen. Am "World-Cup Day", an dem man sein Heimatland präsentieren sollte, haben wirklich viele Chinesen ein Deutschland Trikot,  T-Shirt, Pullover etc. getragen - ohne dass sie überhaupt jemals in Deutschland waren. Ich habe bis jetzt noch nicht wirklich verstanden, warum Deutschland in Asien dermaßen populär ist. Das dort Europa im Allgemeinen populär ist wusste ich, dass aber Deutschland populärer ist als andere Länder war mir neu.
Das Vorurteil, Amerikaner hätten von Europa und seinen Ländern zumindest geographisch keine Ahnung, kann ich, von den meisten hier, nicht bestätigen. Es gibt natürlich einige, die sich mehr für Europa interessieren, vielleicht auch schon einmal da waren, und andere (Beispiele folgen), die sich weniger für Europa interessieren und dem entsprechen auch weniger über die Länder dort wissen. Ich wurde einmal gefragt ob Dänemark teil von Deutschland wäre, allerdings war das bis jetzt einmalig. Ein bisschen mehr geschockt war ich von der total ernst gemeinten Frage, ob wir in der Schule lernen würden, dass Hitler gut war. Ich hatte durchaus erwartet das ich aufgrund der Weltkriege und des Holocausts als Deutscher auf Abneigung stoßen könnte, was mir bis jetzt allerdings zum Glück noch nicht passiert ist. Aber eine solche Frage, die keineswegs ein Scherz oder böse gemeint war, hatte ich nicht erwartet.

Montag, 6. Oktober 2014

Football

Der wichtigste Sport im Herbst ist hier definitiv Football. Natürlich wird bei allen Spielen von denen, die Zeit haben, angefeuert, aber die Footballspiele sind am besten besucht. Das Footballtraining muss auch unglaublich hart sein. Regelmäßig werden im Weight Room Gewicht gestemmt und exakt abgemessene Protein-Cocktails getrunken.
Nun war am Samstag das erste Abendspiel von unserem Footballteam hier auf unserem Feld. Da es erst um 7 los ging hatten fast alle Zeit, das Team anzufeuern. Für mich war es das erste Footballspiel, bei dem ich zugucken konnte, da ich sonst immer Rudertraining hatte. Da das vielen so ging, wurde aus diesem Footballspiel ein großes Schulevent gemacht. Es wurden T-Shirts verkauft, rote Farbe in die Gesichter geschmiert, Gunnery-Tattoos verteilt und noch vieles mehr, so dass wir gut vorbereitet in unser Footballteam anfeuern konnten.



 

 
 
Am Ende des Spiels hatte ich zumindest die grundlegenden Regeln verstanden. Leider waren die Gegner sehr gut, so dass wir 27:54 verloren haben. Es war trotzdem ein toller Abend!

Montag, 29. September 2014

Rudern

Jeder hier an The Gunnery wählt für jeden der drei Terms je eine Co-Curricular Activity. Die meisten wählen eine Sportart, man kann aber auch andere Activities, wie bspw. Community Service oder Fall Play / Winter Musical, wählen. Wie ich in anderen Posts schon erwähnt habe, ist die Sportart, die ich für den Herbst-Term gewählt habe, Rudern.

Rudern kann man hier sowohl im Herbst, als auch im Frühling. Während im Frühling allerdings mehr die Sprintdistanzen trainiert werden, trainieren wir jetzt im Herbst längere Distanzen - unsere Regatten sind ungefähr 6km lang.
Training haben wir jeden Tag, außer Sonntag, für 2-3 Stunden, Mittwoch und Samstags sogar noch länger. Das Bootshaus liegt ungefähr 15min Busfahrt entfernt an einem See. Rudergeräte haben wir allerdings auf dem Campus!


 
In den ersten Tagen wurde uns "Ruder-Neulingen" die Rudertechnik am Rudergerät beigebracht, und das Verfahren im Bootshaus (Boote aufriggen, ins Wasser lassen etc.) erklärt.
Während ich die Technik am Rudergerät recht schnell verstanden hatte, war das rudern auf dem Wasser anfangs schwierig. Hinzu kam, dass ich die "Ruder-Vokabeln" erst einmal lernen musste. Als ich das Gefühl hatte, auch das ganz gut zu können, hatte ich noch keinmal "all four" gerudert, sondern immer nur in Paaren. Da ein Ruderboot sehr wackelig ist, durften immer nur zwei gleichzeitig rudern, während das andere Paar das Boot mit den Ruderblättern stabil gehalten hat. Wie ich dann feststellen musste, ist es sehr viel schwieriger, wenn niemand das Boot stabilisiert! Hinzu kam, dass ich, wie fast alle anderen auch, durch das Rudern Blasen an den Händen gekriegt habe, die oft während des Ruderns auch geplatzt sind. Durch das instabile Boot und die vielen Blasen waren wir zwischenzeitlich alle ziemlich frustriert. Doch das viele Training zahlt sich aus - inzwischen rudern wir sehr viel Einheitlicher, was das Boot stabilisiert, und bekommen Hornhaut an den Händen.

Anfangs habe ich zumeist mit erfahreneren Ruderern zusammen in einem Vier-Mann-Boot gerudert. Jetzt, wo die ersten Regatten anstehen, bin ich mit den anderen Neulingen zusammen in einem Acht-Mann-Boot. Das Rudern in solch einem großen Boot macht mir bislang nicht ganz so viel Spaß. Dafür ruder ich aber im "Stroke-Seat", das heißt, dass ich ganz hinten im Boot sitze und, dadurch dass man "rückwärts" rudert, alle meinem Rhythmus folgen. Diese Position macht mir besonders viel Spaß, zumal ich mich mit dem Coaxswain (steuert das Boot und gibt Anweisungen zum Tempo, rudert aber nicht), mit dem ich auf dieser Position besonders viel zu tun habe, sehr gut verstehe.

Gestern hatten wir dann unsere erste Regatta. Bei strahlender Sonne und knapp 30°c haben wir gegen eine andere Schule aus der Umgebung gerudert - eher noch ein Proberennen. Wir mussten von einem Ende unseres Sees (s.o.) zum anderen rudern, was knapp 5km sind. Die Regatta hat unglaublich viel Spaß gemacht, als Achter haben wir vorher noch nie so gut gerudert! Wir können unsere Zeit nur schwer mit den anderen Vergleichen, da wir der einzige Achter waren. Aber anhand der Strokes (keine Ahnung wie man das auf Deutsch nennt) pro Minute, die unserem Coaxswain angezeigt wurden können wir definitiv sagen, dass wir ein ziemlich gutes Tempo hatten. Die nächste Regatta ist nächsten Sonntag, ein ziemlich großes Rennen gegen angeblich über 100 andere Boote!

Sonntag, 21. September 2014

Campus

Der Campus von The Gunnery ist sehr, sehr schön und bestitzt alles was man braucht - und noch viel mehr! Kaum zu glauben The Gunnery, im Vergleich zu anderen Internaten, nicht ganz so gut  ausgerüstet sein soll...

Mein Dorm heißt Teddy House und ist auf der Karte mit der Nummer 28 markiert (ganz unten rechts). Er liegt ein bisschen abseits von den Schulgebäuden und Sportanlagen, dafür aber recht nah an der Dining Hall und dem Student Center (26), was insbesondere Morgens sehr angenehm ist. In den Gebäuden 7, 25 und 30 findet der Unterricht statt: 25 ist das Science Building, in dem sämtliche Naturwissenschaften und auch einige Mathekurse unterrichtet werden. Sämtliche anderen Fächer werden im Tisch Schoolhause (30) unterrichtet, in dem sich auch die Library befindet. Einige wenige Kurse finden auch in Brinsmade (7) statt, da das Gebäude zugleich aber auch ein Dorm ist, befinden sich hier nur wenige Klassenräume.

Auf der anderen Seite der Route 47 befinden sich die Gebäude für Performing und Visual Arts, sowie die Sportanlagen. Im Gebäude mit der Nummer 23 befinden sich zwei Sporthallen, Lower und Upper Gym genannt, ein Fitness Center, das Health Center, ein Dorm und verschiedene Räume für Visual Arts (Malen, Keramik etc.). Im Lower Gym finden auch unsere School Meetings (2 pro Woche) statt. Das EPAC - Emerson Performing Arts Center (14) ist, wie der Name schon sagt, das Gebäude für Musik, Theater usw. Dort Probt auch meine Jazz Band, die übrigens sehr viel Spaß macht (dazu aber ein anderes mal mehr).
The Gunnery hat drei Sportplätze. Das Feld mit der Nummer 15 wird zum Footballtraining genutzt. Auf dem Feld mit der Nummer 31 wird meistens Fußball trainiert. Das Feld mit der Nummer 2 istrein brandneuer (er wurde letzte Woche eröffnet) Kunstrasenplatz für Field Hockey (übrigens ein Mädchensport) und  Footballspiele! Direkt angrenzend liegt ein Baseballfeld, das allerdings erst im Frühling genutzt wird. Das Gebäude mit der Nummer 20 ist die Eishockey-Arena. Tatsächlich kommen viele zu The Gunnery, um im Winter Eishockey zu spielen - nichts für mich, aber ich freue mich trotzdem darauf bei den Spielen anzufeuern.
Das Bootshaus von dem aus wir rudern liegt an einem See der ca. 15 Minuten Busfahrt entfernt ist. Zum Rudern werde ich demnächst aber auch noch mehr schreiben...

Auf dem Campus befinden sich natürlich auch noch mehr Dorms, Häuser von den Lehrern, Büros usw. die ich an dieser Stelle gar nicht weiter vorstellen möchte. Zu dem Campus sei aber noch gesagt, dass das Gelände sehr viel hügeliger und bewachsener ist, als es auf der Karte zu sehen ist. Das macht die Schule aber nur noch schöner!

Mittwoch, 17. September 2014

Computer und Internet

Obwohl The Gunnery, im vergleich zu anderen Internaten in New England, recht klein und (angeblich) nicht ganz so gut ausgerüstet ist (kann ich keineswegs bestätigen), werden Computer und  Internet enorm gut genutzt.
Das beginnt schon damit, dass jeder Schüler und Lehrer eine eigene Email-Adresse bekommt, die sich, bei Schülern, aus dem Abschlussjahr, dem Nachnamen und dem ersten Buchstaben des Vornamen zusammensetzt. So ist bspw. meine Emailadresse 17DieselhorstT@gunnery.org! Das führt dazu, dass es sehr einfach ist gerade außerhalb der Schulzeit Kontakt zu bspw. einem Lehrer zu suchen. Tatsächlich fordern uns die Lehrer sogar auf, ihnen bei Fragen zu den Hausaufgaben oder einem anstehenden Test zu mailen. Durch die einheitlichen Email-Adressen und einem guten Webmailer von Microsoft, kann man nur mit Hilfe des Vor- oder Nachnamens jeden in der Schule kontaktieren. Aber auch Ankündigungen für die ganze Schule oder die Mannschaft werden per Email versendet.
Die Schule verwendet allerdings auch vor allem zwei weitere Websites. Die erste ist "GunnNet", und wurde extra für diese Schule programmiert. Sie ist sehr schlicht, erfüllt aber ihren Zweck: Möchte man unter der Woche oder am Wochenende den Campus verlassen, muss man sich zuvor auf GunnNet abmelden. Je nach dem was man vorhat, muss man noch zusätzlich einen Lehrer aufsuchen. Aber durch das Formular, dass man auf GunnNet ausfüllt, kann jeder Lehrer sehen, ob man sich auf dem Campus befindet, oder, wenn nicht, wo man ist und wann man wiederkommt. Auch für die von der Schule organisierten Aktivitäten am Wochenende, wie bspw. Shopping-Trips und Kinobesuche, kann man sich auf GunnNet anmelden. Ebenso kann man seine evtl. Anzahl an Disziplinar-Punkten (nicht gut) aufrufen.
 Die andere, viel genutzte Website nennt sich "Haiku". Auf Haiku können die Lehrer Seiten für ihre Klassen einrichten, auf denen sie bspw. Links Onlinewörterbüchern oder wichtigen Artikeln teilen können. Aber auch die Hausaufgaben können auf Haiku in den Kalender gepostet werden, so dass jeder Schüler in seinem Kalender die Hausaufgaben für den nächsten Tag finden kann. Natürlich nutzen nicht alle Lehrer Haiku gleich viel. Allerdings wurden sie vor Schulbeginn so gut geschult, dass alle wissen wie Haiku funktioniert. Nur einer meiner Lehrer weigert sich, sämtliche Hausaufgaben auf Haiku zu teilen. Dennoch nutzt er Haiku für andere Zwecke. Da viele ihre Hausaufgaben auch am Computer machen, ist es sogar manchmal möglich den Lehrern die Hausaufgabe direkt über Haiku zuzuschicken. Und sogar Zwischennoten werden den Schülern im Verlaufe des Schuljahres angezeigt!
Einige Schüler machen sich sogar während des Unterrichts lieber Notizen am Laptop, als mit der Hand! So weit bin ich allerdings noch nicht gegangen.
Falls man keinen eigenen Laptop hat, kann man jeder Zeit einen der Schulcomputer im "Computer-Lab" nutzen. Auch Drucker stellt sie Schule zur Verfügung - man muss das Dokument nur per Email an eine bestimmte Adresse senden und anschließend am Drucker in der Bibliothek einen Code eingeben.
Vielleicht sollte ich hier auch noch erwähnen, dass es in allen Gebäuden auf dem Campus WiFi gibt!

Das in jedem Klassenraum ein SmartBoard hängt ist für mich nichts neues. Allerdings werden diese hier sehr viel effektiver genutzt, als in meiner Schule in Deutschland. Extremstes Beispiel ist mein Physiklehrer, zu dem ich allerdings sagen muss, dass er völlig Technik-Verrückt ist:
Er hat in seiner letzten Stunde jedem eine Art Fernbedienung gegeben, die irgendwie mit dem SmartBoard verbunden war. Nachdem sich jeder Schüler auf seiner Fernbedienung mit einem Code angemeldet hatte, haben wir einen Multiple-Choice-Test "geschrieben": Ein Programm auf dem SmartBoard hat uns die Fragen und Antwortmöglichkeiten angezeigt, und wir mussten nur den entsprechenden Buchstaben auf unserer Fernbedienung drücken. Am SmartBoard konnte man dann erkennen, ob jeder geantwortet hatte, bevor es zur nächsten Frage weiter ging. Am Ende des Tests konnte jeder sofort sein Ergebnis auf seiner Fernbedienung abrufen, und am SmartBoard wurden noch zusätzliche Statistiken angezeigt.
Soweit ich weiß ist das auch für diese Schule ungewöhnlich. Dennoch wird das SmartBoard (auch anders) effektiv genutzt!

Donnerstag, 11. September 2014

Stundenplan, Tagesablauf und Dress Code

Da ich leider im Moment nur sehr wenig Freizeit  habe, werde ich von nun an nur kurze Posts zu einem Thema posten!


Anders als in Deutschland gibt es hier keine festen Klassen. Jedes Fach wird in einem anderen Klassenraum mit einer anderen Klasse unterrichtet. Der Folgende Stundenplan zeigt wie die sieben verschiedenen Fächer auf die Woche verteilt sind. Er ist für alle Schüler gleich!
Jeder Schüler hat aber andere, den Blöcken zugeordnete, Fächer. Ich habe im
A Block - Physik I
B Block - English II
C Block - History II
D Block - Ethics
E Block - Pre Calculus (Mathe)
F Block - Advanced Jazz Band
G Block - Spanish I
Die Fächer sind auch nicht wirklich nach Jahrgängen geordnet. Normalerweise hat man zwar bspw. in der neunten Klasse (die jüngsten an The Gunnery) English I, in der zehnten Klasse English II usw. Aber gerade bei Mathe und  Naturwissenschaften vermischt sich das allerdings viel mehr. In meinem Mathe-Kurs zbsp. ist außer mir nur ein anderer Zehntklässler, der Rest besteht aus Elft- und Zwölftklässlern. In meinem Physik-Kurs sind außer mir sogar nur Zwölftklässler.
Das liegt vor allem daran, dass die Amerikaner in diesen Fächern einfach im Vergleich zum Klassen in Deutschland weit zurück hängen. In meinem Physik-Kurs lernen wir bspw. gerade Sachen, die ich in Deutschland schon vor ein bis zwei Jahren gelernt habe!

Angenehm an dem Stundenplan ist der späte Schulbeginn! Der Flex-Block, den es an einigen Tagen vor der Schule gibt um zusätzlichen Unterricht oder ähnliches zu bekommen, ist für mich bis jetzt immer ausgefallen.

Dress Code
Der Dress Code an The Gunnery ist ziemlich streng. Während der Schulzeit gilt für Jungs:
  • Khaki-Hosen
  • Button-Down Hemd
  • Krawatte (jeder Jahrgang hat eine eigene)
  • dunkelblauer Blazer
Hinzu kommen noch Regeln für die Schuhe, den Gürtel und sogar für Rasur und Haarschnitt. Die wichtigste Regel ist allerdings, dass Jungen nur EIN Ohrring tragen dürfen!
Solang es noch so warm ist dürfen wir die Krawatte weglassen und sogar das Hemd gegen ein Polo-Hemd tauschen. Der Blazer muss trotzdem immer mit, darf aber beim Essen und im Unterricht ausgezogen werden!

Nach der Schule
An den Tagen  mit Nachmittagsunterricht fährt der Bus zum Bootshaus, an dem wir rudern, exakt 15 Minuten nach Schulschluss. Mittwochs und Samstags fährt der Bus direkt nach dem Mittagessen. Viel Zeit zum umziehen bleibt nicht, an ausruhen ist gar nicht zu denken. Wenn wir vom Rudern wiederkommen hat das Abendessen meist schon begonnen.  Außer bei "Formal Lunch" oder "Formal Dinner" kann man aber ohnehin essen wann man will. Abendessen gibt es zum Beispiel von 15:15 bis 18:30 Uhr. Danach hat man immerhin ein bisschen Freizeit, bis man von 20 bis 22 Uhr auf seinem Zimmer sein muss um Hausaufgaben zu machen und zu lernen. Das nennt sich "Study Hall". Man muss die Zimmertür geöffnet haben und der Bildschirm vom Laptop muss vom Flur aus zu sehen sein. Lernen auf dem Bett geht nicht, man muss am Schreibtisch sitzen. Das alles wird tatsächlich vom "patrouillierenden" Lehrer recht Streng kontrolliert. Nach der Study Hall darf man den Dorm nicht mehr verlassen, ab 22:30 Uhr muss man im Zimmer sein. "Lights out" ist um 23 Uhr.

Sonntag, 7. September 2014

Sport und Community

Bevor morgen der Unterricht richtiglos geht (wir hatten schon kurze Einführungs-Stunden), nutze ich die freie Zeit, die ich gerade habe, um euch von den vergangenen Tagen zu berichten!

Sport
Am Dienstag sind ja nur die "Internationals" angekommen, die einzigen Amerikaner, die schon da waren, waren die Footballspieler, die schon seit Montag extrem hart trainieren. Immer wenn ich in den Common Room komme sitzen da ein oder zwei Footballspieler, der sich eine Tüte mit Eiswürfeln an irgendeine Stelle am Körper hält. Vielen, die vorher noch nie Football gespielt hatten, war zumindest in den ersten Tagen oft nach dem Training schlecht. Wie sie genau trainieren weiß ich nicht, aber es muss sehr hart sein.

Rudern, dass ich ja als Co-Curricular activity für den Herbst-Term gewählt habe, wird allerdings zunehmend auch anstrengender.
Das Bootshaus liegt an einem schönen, klaren See. Wir haben für uns Jungs insgesamt sechs Vier-Mann-Boote und eine Acht-Mann-Boot das wir uns mit den Mädchen teilen. Außerdem haben wir auf dem Schulcampus ungefähr 15 Rudergeräte, an denen wir auch trainieren können.
Wir wurden am ersten Tag in zwei Gruppen geteilt - in der einen die, die schon gut rudern konnten, in der anderen die Anfänger, zu denen ich auch gehöre. An den ersten beiden Tagen haben wir nur gelernt, wie man die Boote aufbaut, trägt, ins Wasser lässt usw.. In einer Einheit saßen wir auch auf den Rudergeräten, aber dass Ziel war da nicht ein hartes Workout, sondern eher die Technik zu lernen. Das änderte sich jedoch gestern Vormittag, als alle Teams, sowohl der Jungen als auch der Mädchen, zusammen einen Triathlon machen sollten. Wir wurden in Teams, bestehend aus neuen und fortgeschrittenen Mädchen und Jungs, eingeteilt, und jeder musste für sich erst gut zwei Meilen laufen, dann eine kurze Strecke durch den See schwimmen, und anschließend als Team insgesamt 10km auf einem Rudergerät rudern. Viele fingen schon an zu stöhnen, als der Triathlon vorgestern angekündigt wurde, und berichteten uns neuen, wie hart das ist und das sich viele hinterher übergeben. Tatsächlich war es ziemlich hart, übergeben haben sich allerdings "nur" zwei oder drei. Mein Team hat den Triathlon gewonnen und wir werden in den nächsten Tagen Caps oder T-Shirts als Preis bekommen.
An dem Triathlon konnte man allerdings auch gut feststellen, dass sich einige nur für das Rudern angemeldet hatten, weil sie es für weniger anstrengend als bspw. Fußball  oder Football hielten. Knapp zehn haben sich gestern Nachmittag, abgeschreckt durch den Triathlon, vom Rudern abgemeldet. Den Gesichtern einiger nach dem harten Workout gestern Abend nach zu urteilen sind sie nicht die letzten...

Community
Die Leute hier sind wirklich alle super nett. Von den Ausländern kommen viele aus Asien, allerdings integrieren sich auch diese, anders als einige vielleicht erwarten würden, sehr gut. Die Amerikaner kommen aus allen Staaten. Zwar gibt es schon mehr Schüler, die aus den anliegenden Staaten kommen, aber dennoch viele aus weit entfernten Staaten wie bspw. Texas, Colorado und Florida.
Nachdem ich in über 6 verschiedenen Konstellationen andere Schüler kennengelernt habe (Dorm, Klassenstufe, Klassen, Rudern, Internationals, Advisorgruppe...), kenne ich wirklich schon viele, auch wenn ich große Schwierigkeiten habe mir amerikanische Namen zu merken. Auch die Lehrer, die ich bisher kennengelernt habe, sind nett. Da man sie auch "Privat" auf dem Campus trifft oder als Coach hat, sind sie mehr als nur normale Lehrer oder "Aufpasser".